Brecht: Zufluchtsstätte

Wenige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg, 1937, verfasst der deutsche Literat Berthold Brecht das Gedicht „Zufluchtsstätte“. Brecht schreibt den lyrischen Text, während seiner Flucht vor dem Naziregime in Deutschland. Er befindet sich zum Schreibzeitpunkt in Dänemark, wo ihm Asyl gewährt wurde. „Zufluchtsstätte“ beschreibt einen idyllischen Ort an der dänischen Küste, in dem der Erzähler Obdach gefunden hat.
Die Schilderung beginnt mit der Beschreibung des Hauses mit Strohdach und dem Ruder, dass auf dem Dach liegt. Im Hinterhof wurden Vorbereitungen für eine Kinderschaukel getroffen, die allerdings noch nicht errichtet wurde. Der Postbote kommt zweimal täglich am Haus vorbei, wirft aber nicht die erwartete Post ein. Kein Brief erreicht die Geflüchteten. Das Haus hat vier Türen, die eine erneute Flucht ermöglichen.
Das aus 2 Strophen zu je 4 Versen bestehende Gedicht folgt dem Reimschema ab ab c dd c. Die Kadenzen folgen dem Reimschema in mw mw mwwm. Es entsteht ein Einklang, der sich dem Leser beim Lesen zeigt. Ein durchgängiges regelmäßiges Metrum ist nicht erkennbar.
Brecht gliedert den Text in 6 Sätze. Bis auf die Verwendung der Satzendzeichen und des Kommas in V. 8 verzichtet Brecht auf Satzzeichen. Zusätzlich zu seiner Versform wird das Gedicht damit aus der Alltagssprache besonders deutlich herausgehoben.
Die Enjambements in Z. 1&2, 3&4 und 5&6 erhalten den Lesefluss und verdichten die Textkohärenz im Gegensatz zum Stakkato-Stil der Verse 7&8. Die Zeilensprünge auf der einen Seite und das fehlende Metrum mit Stakkato am Ende des Textes zeigen das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Gefahr selbst beim Aufenthalt an der Zufluchtsstätte. Das wird durch die inhaltlichen Gegensatz von ländlicher Idylle und unruhiger eigener Fluchtsituation verstärkt.
Der Autor setzt einen allwissenden Erzähler ein, um den Wechsel von äußerer Betrachtung und innerem Zustand des Erzählenden herausstellen zu können. Ein Lyrisches Ich tritt nicht durch die Nennung der ersten Person Singular hervor, ist jedoch durch die sprachliche Subjektivität erkennbar. Innere Gedanken, wie der über die mögliche neue Flucht belegen dies. Aus dem Fehlen des Personalpronomens ergibt sich am Ende eine größere Unmittelbarkeit des Sprechens. Die Distanz zwischen Leser und Sprecher ist sehr gering, der Leser fühlt sich als befinde er sich im Kopf des Sprechers und sehe durch seine Augen auf die Zufluchtsstätte.
Um den Inhalt und die Bedeutung des Gedichtes erkennen zu können, ist die Betrachtung der Zufluchtsstätte als zentralem Punkt des Textes notwendig.
Gemeinhin wird unter einer Zufluchtsstätte ein provisorisches Obdach verstanden, welches anonymen Flüchtenden für eine vorübergehende Zeit, nämlich bis im Heimatland wieder Frieden herrscht, Schutz und Sicherheit gewährt wird. Der Begriff „Zufluchtsstätte“ hat für Brecht zentrale Bedeutung, weil er mit ihm sein Gedicht tituliert. Er wird also zum zentralen Thema. Im Text wird das insofern deutlich, als dass in nahezu jedem Vers inhaltliche und begriffliche Verbindungen zur Zufluchtsstätte bestehen. So steht die Sicherheit (V.2) in Verbindung mit dem „Strohdach“, das vom Wind nicht weggetragen wird, dass Obdach in Verbindung mit dem Haus, indem der Sprecher Zuflucht gefunden hat. Das Provisorium findet Ausdruck im noch nicht fertiggestellten Hof für „die Kinder“. Brecht nutzt zur Darstellung der verschiedenen Aspekte einer Zufluchtsstätte eine Reihe von Stilmitteln. Das Symbol wie das auf dem Dach des Hauses liegende „Ruder“, bewirkt die Annahme, dass die Flüchtenden gerade erst am Haus angekommen sind, alles wirkt unfertig. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Hof, in dem die „Schaukel“ für die Kinder noch nicht aufgebaut ist. entgegen der Erwartung des Lesers beruhigt sich die Situation des Sprechers im Verlauf des Aufenthalts in der Zufluchtsstätte nicht, sondern scheint durchweg pessimistisch. Neue Hoffnung, die durch das Asyl begründet werden könnte, entsteht nicht. Vielmehr scheint der Sprecher über eine weitere Flucht nachzudenken, als er die vier Türen im Haus betrachtet. Es entsteht der Eindruck diese neuerliche Flucht könne jederzeit beginnen. Dem Leser erschließt sich durch die angewandte „pars pro toto“ „Stroh“ für das Dach des Hauses und das „Ruder“ für das Fluchtmittel Boot nur langsam die Situation des Geflüchteten. Das große Ganze wird nicht beschrieben, nur wichtige Teile genannt, aus denen sich der Leser sein eigenes Bild der Situation der Fluchtstätte zusammenfügen muss. Zur Konsequenz hat dies ein Bild der Situation und des Ortes, dass bei jedem Leser unterschiedlich ist und damit Universalität erreicht. Insgesamt erreicht die Fluchtstätte also nicht die gewünschte Auswirkung auf den Flüchtenden.
Die Atmosphäre eines Gedichtes wird normalerweise vom Zusammenspiel verschiedener Aspekte wie Zeit, Stimmung und Farben geprägt. In „Zufluchtsstätte“ spielt die Atmosphäre eine besondere Rolle.Eine Zufluchtsstätte ist ein besonderer Ort und birgt daher ein besonderes Zeitempfinden und hegt eine spezielle Stimmung. Im Text wird das insofern deutlich, als dass die Zeit nicht als Uhrzeit beschrieben wird, sondern der Zeitbegriff in Form des „mittleren Windes“ sowie des Bewegungsverbs „fliehn“ besondere Dynamik erfährt. Die Metapher des „mittleren Windes“ muss besonders unter den historischen Gegebenheiten von 1937 interpretiert werden. In Vorkriegszeiten war Europa durch die nationalsozialistische Hegemonialpolitik geprägt. Spätestens beim Anschluss des Sudetenlandes ohne erkennbaren Widerstand der Alliierten war klar, dass Hitler weiter expandieren wollte. Andersdenkende wie Brecht wurden gnadenlos verfolgt. Politische Unruhen machten sich breit und Flüchtlinge wurden durch Europa „geweht“. Die erste Fluchtwelle deutscher Intellektueller beschränkte sich auf Europa und ging erst später darüber hinaus. Der Sprecher fühlt also die Gegenwärtigkeit von Gefahr.
Genauso wichtig für die Atmosphäre wie die Zeit ist die Darstellung der Umgebung der Flüchtenden. Der Sprecher scheint am Sund zu stehen und sich umzuschauen. Die Umgebung wirkt verlassen und einsam, weil keine Menschen zu sehen sind. Nur in der Ferne verkehren Fähren, deren Passagiere aber nicht erwähnt werden. Diese Situation der Einsamkeit eröffnet dem Leser eine Innenschau des Erzählers. Der Sprecher sieht ein Strohdach (vgl. 1/2). Außerdem sieht er die Pfähle für die Schaukel im Hinterhofe (vgl 3/4).

Anmerkung: Der vollständige Aufsatz kann unter nadine@edu-now.org angefordert werden.

Rose Ausländer: Mutterland

33 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, im Jahre 1978 verfasst die Holocaustüberlebende Rose Ausländer das Gedicht „Mutterland“. Der lyrische Text zählt zur deutschen Exiliteratur und thematisiert den Heimatverlust. Das Lyrische Ich beschreibt darin den Verlust des Vaterlandes und seine neue Lebenssituation im Mutterland.

Aus der Ich- Perspektive spricht das Lyrische Ich zum Leser des Gedichts. Das Vaterland des Lyrischen Ichs wurde von einer nicht genau bezeichneten Personengruppe bewusst vernichtet. Das Lyrische Ich hegt die Erinnerung von Feuer und vollkommenem Zusammenbruchs seiner Heimat. Ohne Zuhause hat es eine neue Heimat gesucht und gefunden, die es nicht mehr Vaterland sondern Mutterland nennt. Vom Vaterland bleibt ihm nur noch die Sprache.

Das Gedicht weist sowohl sprachliche als formale Besonderheiten auf.

Es gliedert sich in zwei Strophen zu je drei Versen. Ein Reimschema ist ebenso wenig erkennbar wie ein durchgängiges rhythmisierendes Metrum. Die Kadenzen folgen dem Schema m,w,w,w,w,m.
Obwohl Rose Ausländer keine Satzzeichen verwendet, ist eine Satzstruktur beim Lesen hörbar. Lesepausen entsprechen Satzgrenzen. Satzgrenzen befinden sich zwischen Vers 1 und 2, Vers 3 und 4, sowie von Vers 5 zu Vers 6. Wobei das Wort „Wort“ als Ellipse den Schluss des Gedichtes bildet. Fehlende Satzzeichen und ausbleibendes Reimschema weisen genauso wie die unregelmäßigen Kadenzen und das fehlende Metrum auf die Grundstimmung des Gedichtes hin. Genauso wie die chaotischen Zustände jener Zeit und vermutlich auch die nicht zu ordnenden psychischen Auswirkungen des überwundenen Holocausts spiegeln sich darin wieder.

Obwohl das „sie“ zu Beginn des zweites Verses hörbar den Anfang des zweiten Satzes bildet, ist es entgegen der Regel klein geschrieben. „Mein Vaterland“, „Ich“, „Mutterland“ und „Wort“ sind groß geschrieben und stehen in Verbindung mit dem lyrischen Ich. Im Gegensatz zu der klein geschriebenen dritten Person Plural „sie“, welche die Feinde symbolisiert. Die deutschen Nationalsozialisten repräsentieren inneren Feinde. Diese verfolgten und ermordeten Juden wie Rose Ausländer. Demgegenüber standen die Alliierten als äußere Feinde, welche versuchten die Deutschen und ihre Gräueltaten zu stoppen. Durch den Krieg wurde das Vaterland zerstört. Die Welt des lyrischen Ichs, wie sie vor dem Krieg Bestand hatte, wurde dabei ausgelöscht. Die Antithese „mein Vaterland ist tot“ und „ich lebe“ klingt fast trotzig und verdeutlicht den Überlebenswillen des lyrischen ich. In dem es den Überlebenswillen nicht verliert und ein neues zu Hause im Mutterland gefunden hat, besiegt es die Feinde des Vaterlandes und auch die eigenen.

Innerhalb der ersten Strophe wechselt der Blick des Lyrischen Ichs von der Gegenwart, die in Form des im ersten Vers verwendeten Präsens erscheint, zurück auf die Ereignisse der Vergangenheit, die im Perfekt beschrieben werden. Der Ist-Zustand des Vaterlandes wird damit untermauert. Der Rückblick wird dynamischer dargestellt. Die Konsequenz des Handelns der mit „sie“ beschriebenen Personengruppe wird mit Hilfe eines steigernden Elementes in Form der Klimax von „tot“, „begraben“ und „im Feuer“ verdeutlicht.

Neben den formalen, bedient sich Rose Ausländer bei der Verdichtung der Worte und deren Bedeutung besonderer sprachlicher Mittel.

Um den Zusammenbruch der Heimat des lyrischen Ichs zu versinnbildlichen, setzt die Autorin verschiedene Personifikationen ein.
Das „Vaterland“ des lyrischen Ichs ist „tot“, „begraben“ wie ein Mensch es nur sein kann. Durch die Übertragung menschlicher Eigenschaften auf ein Gebilde wie das „Vaterland“, ist dessen Untergang für den Leser ausdrucksvoller. Der Eindruck des Heimatverlusts wird durch die von Ausländer beschriebene Gewalt verstärkt. Metaphern wie „im Feuer“ begraben unterstreichen die Rohheit des Ablaufs. Besonderer Fokus liegt auf dem letzten Vers, der aus nur einem Wort besteht. Das Wort „Wort“ ist vielseitig interpretierbar. Es stellt sowohl eine Metapher im weiteren Sinne als auch die Stilfigur des Pars pro toto im engeren Sinne dar. Als Metapher repräsentiert es die Erinnerung des lyrischen Ichs an das verlorene Vaterland. Als Pars pro toto steht das Wort „Wort“ als Teil der Sprache, im allgemeinen für die Sprache und insbesondere die Sprachen des lyrischen Ichs. Das Lyrische Ich verbindet damit die einzigen Erinnerungen an frühere Zeiten- die Erinnerung an die Muttersprache sowie an das Vaterland. Unerwarteterweise erzählt das lyrische ich in der Sprache des Vaterlandes über das neue Mutterland. Die Muttersprache erhält damit besondere Bedeutung.

Neben Personifikationen und Metaphern bedient sich Ausländer der Wortneuschöpfung „Mutterland“. Dieser Neologismus drückt die Beziehung zwischen dem geflüchteten Lyrischen Ich und dem Gastland aus, in dem es nun lebt. Die enge Verbundenheit zwischen der neuen Heimat und dem Lyrischen Ich wird besonders durch den Begriff der „Mutter“ dargestellt. Wie eine Mutter ihrem Kind Sicherheit und Obhut gibt, so kümmert sich das Mutterland um das Lyrische Ich.

Durch die beiden Begriffe Mutter und Vater in den Wörtern Vater und Mutterland werden beide Länder zu den prägenden Orten für das lyrische ich. Es sieht Vater- und Mutterland stellvertretend wie Eltern. Sein Leben wurde durch beide geprägt und hängt untrennbar mit ihnen zusammen.

Die Autorin Rose Ausländer wurde als Jüdin von den Nazis verhaftet und zu Zwangsarbeit verpflichtet. Als eine der wenigen Überlebenden der Judenverfolgung im Dritten Reich wird sie gegen Kriegsende von der Roten Armee befreit und übersiedelt in die USA.

Bis heute beschäftigt uns das Flüchtlingsthema. Nach Deutschland flüchten viele Menschen aus dem nahen Osten. In ihrem Vaterland herrscht Krieg und Deutschland ist für die Flüchtlinge, wie es für Rose Ausländer die USA war, im besten Fall das neue Mutterland.

Abraham Lincoln- Gettysburg Address 19.11.1863

Am 19. November 1863 hält der 16te Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln, auf dem Friedhof von Gettysburg eine Rede, die in die Geschichte der USA eingeht. Sie ist nur 12 Sätze lang und hat Überlieferungen zufolge nur 2 Minuten gedauert.

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Originaltext:

1] Fourscore and seven years ago our fathers brought forth on this continent, a new nation, conceived in Liberty, and dedicated to the proposition that all men are created equal.

[2] Now we are engaged in a great civil war, testing whether that nation, or any nation so conceived and so dedicated, can long endure. We are met on a great battle-field of that war. We have come to dedicate a portion of that field, as a final resting place for those who here gave their lives that that nation might live. It is altogether fitting and proper that we should do this.

[3] But, in a larger sense, we can not dedicate-we can not consecrate-we can not hallow-this ground. The brave men, living and dead, who struggled here, have consecrated it, far above our poor power to add or detract. The world will little note, nor long remember what we say here, but it can never forget what they did here. It is for us the living, rather, to be dedicated here to the unfinished work which they who fought here have thus far so nobly advanced. It is rather for us to be here dedicated to the great task remaining before us-that from these honored dead we take increased devotion to that cause for which they gave the last full measure of devotion-that we here highly resolve that these dead shall not have died in vain-that this nation, under God, shall have a new birth of freedom-and that government of the people, by the people, for the people shall not perish from the earth.

Um die die Verständlichkeit der Rede auch für schwächere Schüler zu gewährleisten, kommt hier die deutsche Übersetzung (Quelle Wikipedia):

Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation, in Freiheit gezeugt und dem Grundsatz geweiht, dass alle Menschen gleich geschaffen sind.
Nun stehen wir in einem großen Bürgerkrieg, der eine Probe dafür ist, ob diese oder jede andere so gezeugte und solchen Grundsätzen geweihte Nation dauerhaft Bestand haben kann. Wir haben uns auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges versammelt. Wir sind gekommen, um einen Teil dieses Feldes jenen als letzte Ruhestätte zu weihen, die hier ihr Leben gaben, damit diese Nation leben möge. Es ist nur recht und billig, dass wir dies tun.
Doch in einem höheren Sinne können wir diesen Boden nicht weihen, können wir ihn nicht segnen, können wir ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, Lebende wie Tote, die hier kämpften, haben ihn weit mehr geweiht, als dass unsere schwachen Kräfte dem etwas hinzufügen oder etwas davon wegnehmen könnten. Die Welt wird wenig Notiz davon nehmen, noch sich lange an das erinnern, was wir hier sagen, aber sie kann niemals vergessen, was jene hier taten. Es ist vielmehr an uns, den Lebenden, das unvollendete Werk weiterzuführen, das diejenigen, die hier kämpften, so weit und so edelmütig vorangebracht haben. Es ist vielmehr an uns, der großen Aufgabe geweiht zu werden, die noch vor uns liegt – auf dass uns die edlen Toten mit wachsender Hingabe erfüllen für die Sache, der sie das höchste Maß an Hingabe erwiesen haben – auf dass wir hier feierlich beschließen, dass diese Toten nicht vergebens gestorben sein sollen – auf dass diese Nation, unter Gott, eine Wiedergeburt der Freiheit erleben soll – und auf dass die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, nicht von der Erde verschwinden möge.

Interpretation (zur Verfügung gestellt von einer Schülerin der 12. Klasse Gymnasium):

On November 19th 1863 Abraham Lincoln, 16th President of the United States of America, gave his famous „Gettysburg Adress“. During the dedication ceremony for the National Cemetery of Gettysburg Lincoln honored the fallen soldiers of the civil war and reminded the nation that their fight for freedom was still lasting.

Lincoln started his speech by employing a very poetic language. He uses „four score and seven“ instead of „Eighty-seven“. In using this expression he achieves a much more elegant and noble tone, whilst speaking about the successful Independence War, which the citizens of the young american nation fought against the British, 87 years ago. He linked the current situation he found himself in 1863 with the decisive Independence War which opened the Americans a hopeful future.

In speaking about the „new nation“ growing in liberty and freedom he reminded the audience  of the ideals and basis the US were founded. His flashback of 87 years is a important structural element of the speech because it opens the audience’s mind for the view on their present situation. He gave hope that the people of his time would be able to reach aims as big as the victory over Britain was.  It is a well chosen set up to the next paragraph.

Nevertheless he marked the civil war as a challenge. Lincoln claims the values of the young nation to be under attack. The enduring fight to defend the founding principles is a significant one. In employing the words „or any other nation“ he emphasizes that such a battle is possible to be fought by any other nation willing to live in freedom and equality. He extended that the battle is of international appeal. He justified the war by creating the impression that the fighting soldiers of the North fought for a greater aim, for all nations willing to live free. He connected the victory and the winning of the battle with the surviving of the whole nation itself. He insists the nation could only endure if the battle is won.

In turning to the fallen soldiers on the field of Gettysburg he changes the view of the audience. He contrasts life and death in using the words „those who here gave their ives that this nation might live“. Without choosing the words life and death, he gained the same effect by a metaphor in meaning and a parallelism in structure. Contrast, metaphor and parallelism achieve a compelling direct effect on all those present. There is so much energy in this contrast that the audience must have been fully engaged. To attain more effect Lincoln also uses consonance or alliteration within his speech applying words with the letter „F“ i.e. battlefield, field, final, for and fitting. He rounded this part of the speech off in a matter of sound.

Moreover within the next section of the speech the President uses a climax when speaking about the meaning of the ground they were standing on. The triple „can not dedicate… can not consecrate … can not hallow“ shows the power of a accelerating element in a public speaking. Lincoln achieved a better memorability in structuring the words as he did. The overview is as brilliant as the trinity of liberty, freedom and equality in the first paragraph. Still in reading it, it is possible to feel the powerful cadence.

Lincoln demonstrated high respect for the soldiers wether the were fallen or still discharging their duty on the battlefield. He reduces his own importance and heightens the meaning of those fighting for the Union. The alliteration „poor power“ helps him to underline his request. He again uses the structural element of contrast telling the audience „the world will little note, nor long remember what we say here, but it can never forget what they did here“. Again he transfers the fighting of the Union to something larger than the US. He asserts that Mankind will never forget about their service.

As a casual remark there is to say that Lincoln was wrong at that point. His words had become a part of the cultural heritage of the US.

Telling the audience not to rest, he maintained that the battle wasn’t still won. He spoke about the „unfinished work“ that had to be completed. Within the last paragraph the vocabulary used by Lincoln is becoming much more poetic then in the middle part of the speech. He employs words as „dedicated, nobly, great, honored, devotion, god, birth and freedom“. The effect on the listener is obviously to make him feel being part of something particular, something historic.

There are are two more contrasts to analyze. He juxtaposed „the living“ with the „honored dead“ as well as „these dead shall not have died in vain“ with „this nation shall have a new birth of freedom“. He perks up the value of their death and the value of the living. He reaches the peak of his speech turning over to the ideals of democracy. Again he employs a triple climax to emphasize the relation between the founding principles of the US, the fighting soldiers on the battlefield and the nation as a whole. The effect of this ending is tremendous. He manages to give an implicit view on democracy in future and his words seem to give all Americans just one possible single aim to fight for: the power of the people under the principles of the Union.

 

 

 

 

Franz Kafka: Der Nachbar

Interpretation von Kafkas Kurzgeschichte „Der Nachbar“

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Gedichtsinterpretation: Gottfried Benn: Kleine Aster

Handout zum Gedicht „Kleine Aster von Gottfried Benn“. Klassenstufe 10-12

Kurzgeschichte Spaghetti für zwei

Interpretation der Kurzgeschichte „Spaghetti für zwei“. Klassenstufe 8-10. Zeilenangaben wurden bewusst weggelassen, da diese je nach Textausgabe unterschiedlich sein können.

Die Kurzgeschichte „Spaghetti für zwei“ wurde 1975 von der schweizer Schriftstellerin Frederica de Cesco veröffentlicht. Sie thematisiert darin, wie Vorurteile einen Jugendlichen bestimmen und ihn in die Irre leiten können.

Heinz ist fast 14 jahre alt und „fühlt sich sehr cool.” Er stellt sich für den Leser schon am Anfang der Geschichte sehr überlegen und kaltschnäuzig dar. Sein Verhalten in der Schule verstärkt diesen Eindruck. Weil ihm nicht genug Zeit bleibt, in der Mittagspause nach Hause zu fahren, isst er im Selbstbedienungsrestaurant. Dort wählt er die Gemüsesuppe aus, setzt sich an einen Tisch, merkt, dass er den Löffel vergessen hat, steht auf, um sich einen zu holen. Als er sich wieder zu seinem Tisch begeben will, sieht er, wie ein “Schwarzer” vermeintlich seine Gemüsesuppe isst. An dieser Stelle wird klar, von welchen Vorurteilen Heinz geprägt ist. Im inneren Monolog lässt er ihnen freien Lauf. Er wünscht den “Schwarzen” zum “Teufel”, unterstellt ihm ein “Asylbewerber” zu sein und sich in der “Schweiz breitmachen” zu wollen. Erst die Blicke der anderen Gäste des Restaurants halten ihn davon ab, seine Meinung laut dem “Schwarzen” zu sagen. Er schämt sich sogar für seinen gerade noch abgewendeten Ausbruch und wird “rot”. Die Coolness in Bezug auf sein Auftreten nach außen hin weicht den Bedenken andere könnten ihn als Rassist ansehen. Entgegen seinem normalen Verhalten in der Schule insbesondere gegenüber den Lehrern, hält er sich vor den anderen Gästen zurück.
Überraschenderweise setzt er sich nun dem Schwarzen wortlos gegenüber. Er nimmt seinen Löffel und taucht ihn, völlig überzeugt es sei seine eigene Suppe, in die Suppe des “Afrikaners”. Beide starren sich an. Für einen kurzen Moment scheint es dem Leser als scheine die Zeit stillzustehen, die Spannung dieses Momentes ist fast greifbar.
Aber nicht nur Heinz, auch der “Schwarze” bleibt stumm. Sie essen zusammen die Suppe “ohne daß ein Wort” fällt.
Die Spannung bleibt weiter bestehen als der schwarze Junge, nachdem die Suppe aufgegessen ist, aufsteht und Heinz sich darüber entrüstet, dass der Afrikaner ihm nicht einmal für die Suppe dankt. Heinz möchte „aufspringen und Krach schlagen“. Entgegen seiner Erwartung geht der Schwarze zur Theke, bezahlt die Suppe und bringt noch einen Teller Spaghetti zum Tisch zurück. Bereits in den Spaghetti stecken „zwei Gabeln“. Heinz wird so nervös, dass ihm „der Schweiß“ ausbricht. Er beschließt nachdem der andere schon die Hälfte seiner Suppe gegessen hat, nun auch die Hälfte von dessen Spaghetti zu nehmen. Wiederum durch das Mittel des inneren Monologs kann der Leser den Gemütszustand von Heinz genau nachvollziehen und erkennt durch die vielen Fragen, die sich Heinz jetzt stellt dessen Selbstzweifel und Unsicherheit, wie er sich nun verhalten soll. Die Coolness auf Heinz’ Seite verfliegt, seine „Gedanken“ überstürzen sich. Er wünscht sich sogar, dass der Junge etwas zu der Situation sagt, hat aber selbst nicht den Mut den Schwarzen anzusprechen. Durch das Kratzen am Hals und das Jucken des Rollkragenpullis wird die Spannung unter der Heinz steht sichtbar. Plötzlich sieht er auf dem „Nebentisch“ , „einsam“ auf dem Tablett einen Teller „kalter Gemüsesuppe“ stehen.
Er begreift, dass nicht der Junge die Seine, sondern er die Suppe des Jungen gegessen hat. Er erlebt „den peinlichsten Augenblick seines Lebens.“ Der Blickkontakt zu dem Schwarzen reißt für „zehn volle Sekunden“ ab. Plötzlich sind die Rollen vertauscht. Der Schwarze ist „cooler“ als Heinz es jemals war. Heinz entschuldigt sich stotternd bei dem Afrikaner. Der lacht und nimmt damit der Situation und auch Heinz die Peinlichkeit. Eine freundliche Atmosphäre entsteht an der Stelle, an der vorher Vorurteile und Misstrauen regiert haben. Sie verabreden sich für den nächsten Tag um zusammen zu essen.

Durch die verwendeten Monologe wirkt die Kurzgeschichte sehr real. Der Leser kann durch die Verwendung des personalen Erzählers Einblicke in die Gedanken der von Heinz erlangen, die ihm ansonsten verschlossen blieben. Gerade aus der Sicht des Heinz, also des Rassisten, wird erzählt.

Die Autorin dehnt durch die Monologe die Zeit und lässt den Leser noch dichter an das Geschehen kommen.
Ferner hält die Autorin die klassische Form der Kurzgeschichte ein, indem sie die Spannung bis zum Höhepunkt in Z. steigert und einen überraschenden Schluss setzt.

Nachhilfe Physiker

Dürrenmatt: ‚Die Physiker‘ Charakteristik Möbius

Der Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt verfasste die Groteske „Die Physiker“ im Jahre 1961. Die Uraufführung fand 1962 in Zürich statt. Die Atmosphäre der Zeit war geprägt durch die 17 Jahre vorher über Hiroshima und Nagasaki abgeworfene Atombombe und die gerade überstandene Kubakrise. Die zwei politischen Blöcke, die Nato unter Führung der USA und der Warschauer Pakt standen sich im kalten Krieg gegenüber. Die Situation war so angespannt, dass der kalte jederzeit in einen heißen Atomkrieg umschlagen konnte. Dürrenmatt ließ das nicht unbeeindruckt. Er sah es als seine Pflicht an, auf die gegenwärtige Gefahr aufmerksam zu machen. Er stellte sich insbesondere die Frage nach der Verantwortlichkeit von Forschern für die Verwendung ihrer Forschungsergebnisse.

(Inhaltsangabe habe ich nicht mehr neu geschrieben)
Johann Wilhelm Möbius ist ein 40jähriger Mann, der seit 15 Jahren im geschlossenen privaten Sanatorium „Les Cerisier“ von Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd lebt.
Möbius Leben beginnt unter denkbar widrigen Voraussetzungen. Er wächst als „Waisenkind“ (S.33,34) auf. Im Alter von 15 Jahren lernt er im Hause seines Vermieters dessen Tochter kennen und heiratet sie gegen den „Willen“ ( ) ihrer Eltern als er 20 Jahre alt ist. Er absolviert sein Abitur und schließt das Studium der Physik erfolgreich ab. Zum Physiker berufen, arbeitete er „Tag und Nacht“ ( ) und schreibt seine Dissertation. Privat scheint alles perfekt zu sein. Seine Frau und er werden Eltern dreier Jungen. Eine glänzende Karriere eröffnet sich dem leidenschaftlichen Physiker. Eine „Professur“ ( ) wird ihm angeboten. Die schwierige finanzielle Situation der Familie scheint sich endlich zu entspannen.
Das Unfassbare geschieht. Was keiner ahnt, Möbius entdeckt bei seinen Forschungen zur „Feldtheorie“ ( ) und „Gravitationslehre“ ( ) die „Weltformel“ ( ). Er erkennt die Dimension seiner Forschungsergebnisse und steht vor der Entscheidung „den Unschuldigen“ ( ) zu „spielen“ ( ) oder einen eigenen Weg zu gehen. Aus Angst, seine Forschungen könnten in die falschen „Hände“ ( ) geraten und „neue, unvorstellbare Energien“ freisetzen, versucht er auf ungewöhnliche Weise seine Forschungsergebnisse geheim zu halten.
Der erfolgreiche Physiker lässt seine „Karriere fahren“ ( ), Arbeitsangebote der „Industrie“ ( ) schlägt er aus. Sogar seine „Familie“ ( ) überlässt er „ihrem Schicksal“ ( ). Möbius sieht sich gezwungen, die „Narrenkappe“ ( ) zu wählen und den Verrückten zu spielen. Er gibt vor, „König Salomon“ ( ) erscheine ihm und nimmt seine Einweisung in das Sanatorium von Frl. Mathilde von Zahndt billigend in Kauf.
Dort arbeitet er scheinbar vor anderen verborgen, weiter an seinen Erkenntnissen. Er spricht immer wieder vor Frl. Dr. von Zahndt, sowie den anderen Insassen des Haupthauses der Anstalt Newton und Einstein, von König Salomo, der ihm regelmäßig erscheine.

Seine Ehefrau lässt sich von ihm scheiden und geht mit ihrem neuen Mann und den möbiuschen Kindern zur Missionsarbeit auf die Marianen. Zuvor besucht sie ihn mit den Kindern. Zum ersten Mal während seiner Anstaltszeit trifft Möbius auf seine Kinder. Der Besuch verläuft anders als vom Zuschauer erwartet. Als die Jungen ihrem Vater ein Ständchen zum Abschied darbieten, verliert Möbius scheinbar völlig die Fassung. Er schlüpft noch tiefer in die Rolle des unberechenbar Verrückten und drängt auf einen schnellen Aufbruch seiner Familie. Er nimmt es in Kauf, von seinen Söhnen als verrückt abgetan zu werden, nur um die Mauer der Geheimhaltung aufrechthalten zu können. Die Kinder bleiben mit der Mutter und dem Stiefvater, Herrn Rose, zurück.
Nach dem Besuch seiner Familie, gesteht ihm Schwester Monika ihre Liebe .
Er berichtet Schwester Monika zwar, er sei in seinem Innersten „verstummt“ ( ), erwidert aber ihre Liebe und warnt sie vor der „Gefahr“ ( ), die diese Liebe birgt. Er prophezeit ihr, in ihr „Verderben“ ( ) zu „rennen“ ( ). Er sei ihrer Liebe „unwürdig“ ( ) . Sie sprechen über die Erscheinung des König Salomon, Monika hat Möbius durchschaut. Mehr noch, sie versucht ihn dazu zu überreden, sich mehr für die Erkenntnisse aus den Erscheinungen einzusetzen. Seine Tarnung scheint aufzufliegen. Als Monika die „Koffer packen“ ( ) will, sieht er sich bedrängt und seine „Manuskripte“ ( ) in ihrer Hand. Kurzentschlossen, und völlig überraschend, erdrosselt er sie mit der „Vorhangkordel“ ( ). Möbius will also weder seiner Frau, die ihm zum Erfolg verholfen hat, noch Schwester Monika, die sich zwei Jahre lang aufopferungsvoll um ihn kümmerte, vertrauen.
Als die Tat von der Polizei untersucht wird, gibt er vor, König Salomo hätte ihm den „Befehl“ ( ) dazu gegeben. Er wird nicht verhaftet.
Newton tritt auf. Beide bemerken, dass das weibliche Personal des Sanatoriums durch männliche Pfleger ersetzt wurde. Das Sanatorium, in dem sie „betreut“ werden, wird zu einer „bewacht(en)“ Anstalt. Newton offenbart sich Möbius als Alec Jasper Kilton, „Begründer der Entsprechungslehre“ ( ), und Geheimagent. Einstein stößt dazu und stellt sich als Joseph Eisler vor, „Physiker“ ( ) und Geheimagent. Beide beginnen um die Gunst von Möbius zu buhlen.

Sie wollen Möbius für die Dienste ihres jeweiligen Landes anwerben, Möbius stellt jedoch die Freiheit der Wissenschaft als Bedingung für eine Entscheidung seinerseits in den Raum. So appelliert er an die wissenschaftliche Ehre der Mitinsassen Newton und Einstein, sie dürften sich „nicht von Meinungen bestimmen lassen“, „Denkfehler“ seien nicht erlaubt. Ein „Fehlschluss“ ( ) könne zur „Katastrophe“ ( ) führen. Als keiner der beiden Agenten die Arbeit der Physiker seines Landes als „frei“ ( ) garantieren kann, entscheidet sich Möbius erneut im „Irrenhaus“ zu bleiben. Er wählt seinen Schutzraum, in dem er seine Ergebnisse vermeintlich vor dem Rest der Welt schützen kann.

Sein Schutzraum wird während des Gesprächs der drei Physiker zu einem Gefängnis. Vor den Fenstern werden „Gitter“ ( ) angebracht. Die neuen Pfleger wirken bedrohlich. Entgegen dem Vorhaben von Newton und Einstein aus der Anstalt zu fliehen, ergibt sich Möbius weiter in sein „Schicksal“ ( ). Der Lethargie von Möbius chancenlos gegenüber stehend, überrascht Möbius die beiden, mit dem Geständnis die Manuskripte seiner Forschungen kurz vor dem Eintreffen der Polizei „verbrannt“ ( ) zu haben.

Fassungslos hören sie, wie Möbius sein Verhalten mit Gründen der „Vernunft“ ( ) zu rechtfertigt. Er stellt die Physik als „schrecklich(e)“ ( ) Wissenschaft dar, deren Forschungen „gefährlich“ ( ) und die gewonnenen Erkenntnisse „tödlich“ ( ) seien. Er will das Sanatorium auf keinen Fall verlassen und fordert die beiden Geheimagenten zum Bleiben auf. Er übernimmt die Rolle eines moralischen Richters und appelliert an die Physiker, einzusehen, dass nur ein Leben in der Anstalt das beste Leben sein kann.
Seine Erkenntnisse blieben geschützt und durch die lebenslange Haft im „Les Cerisier“ ( ) verbüßten sie eine ihrer Taten angemessene Strafe. Alle seien sie „Mörder“ ( ), „wilde Tiere“ ( ) . Kilton und Joseph Eisler entschließen sich zu bleiben und richten sich somit selbst. Möbius wird zum Anführer der Gemeinschaft von Physikern, die ihre Freiheit für die Freiheit der Menschheit opfert. Er betont noch einmal, „Physiker, aber unschuldig“( ) zu sein.

Er agiert scheinbar als Märtyrer und beweist durch seine Überzeugungskraft die Macht einer Ideologie, seiner eigenen. Er propagiert Schuld und Unschuld, maßt sich an, über Gut und Böse zu entscheiden.

Erst als Fräulein von Zahndt die Szene betritt und den Diebstahl der Manuskripte bekundet, erwacht Möbius kurz aus seiner Lethargie. Er sieht ein, dass Forschungsergebnisse nicht zurückgenommen werden können.
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So, bis dahin……. macht euch bitte noch kurz Gedanken über einen möglichen Schluss….. Wenn Ihr ihn geschrieben habt, dann sendet mir bitte eine Email meinenachhilfe@icloud.com und ich korrigiere ihn gern für euch.

Gedichtanalyse: Franz Werfel: Menschenblick

Das Gedicht „Menschenblick“ veröffentlichte Franz Werfel 1927. Der Autor wurde 1890 in Prag geboren und starb 1945 in Beverly Hills. Franz Werfel zählt zu den Hauptvertretern des Expressionismus und hat neben vielen lyrischen Texten auch Prosa verfasst. In allen seinen Texten spiegeln sich die Grundzüge des Expressionismus. Das Gedicht „Menschenblick“  zählt zu den großstadtlyrischen Texten von Franz Werfel. Hauptthema seiner Werke stellen der Verfall und die Hoffnung auf einen Neuanfang dar. Speziell dieses Gedicht hat die Menschen, die von der Arbeit nach Hause gehen zum Thema. Monoton werden sie abends heim getrieben und durch ein überraschendes Ereignis aus ihrer Lethargie gerissen.

Das Gedicht besteht aus zwei Strophen aus jeweils vier Versen. Der Autor gibt dem Gedicht formale Struktur, indem er den Kreuzreim (abab cdcd) benutzt. Auffallend ist nicht nur die Kreuzung der Reime, sondern auch die Kreuzung des Metrums in der ersten als auch in der zweiten Strophe. In der ersten Strophe wechselt er von Anapäst zu Daktylus, in der zweiten Strophe von Jambus zu Daktylus, ganz analog dem Reimschema. Durchgehend werden weibliche Kadenzen verwendet, die die Versenden stumpf wirken lassen.

Der Autor bedient sich Wörtern aus dem Alltagswortschatz, die den Text leicht verständlich wirken lassen. Ausnahmen bilden die Neologismen „Abendheimkehr“ (V.1) sowie „Massengeschickes“ (V.5). Durch die Wortneuschöpfungen (Neologismen) verwendet der Autor ein Mittel, mit dessen Hilfe er die besondere Atmosphäre des Gedichtes genauer schildern kann.

In Vers 2,3 und 6 tritt das lyrische Ich in Erscheinung. Es bildet ein subjektives Erzählmoment, welches durch den Gebrauch der ersten Person Plural „wir“ und der Nutzung des Reflexivpronomen „uns“ besondere Verstärkung in Form der Mehrzahl erfährt. Das lyrische Ich scheint nicht allein zu sein, es ist vielmehr Teil einer Gruppe, zu der es sich zugehörig fühlt. Die Distanz zwischen Leser und lyrischem Ich schwindet durch das „Wir“. In der Wirkung scheint der Leser mit dem lyrischen Ich und den Menschen, die sich treiben lassen, verbunden zu sein.

Innerhalb des Textes ist eine besondere Dynamik festzustellen.
In der ersten Strophe wird das Treiben der Menschenmasse in der Gasse beschrieben. Durch das Treiben wird die Passivität der einzelnen Menschen, also den „Leibern“ (V.4) in der Masse, dem „Leib“ (V.4) verbildlicht.
Der Dynamik der ersten Strophe gegenüber steht die Verhaltensänderung der Menschen in der zweiten Strophe. Die Fortbewegung, also das treiben, wird in der zweiten Strophe „Jäh“ (V.6), also plötzlich durch ein äußeres Geschehen gestoppt. Es erscheint ein „Antlitz“. In verschiedener Hinsicht ist die Bedeutung des Wortes „Antlitz“ V.6 zu deuten. Allgemein wird der Begriff Antlitz in Bezug auf das Gesicht Gottes verwendet. Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen „Antlitz“, „Wolkenriß“ (V.7) und „träumenden Blickes“ (V.7). Durch die Zusammenführung der Begriffe, die zu einem Wortfeld gehören, lässt sich die These einer Gotteserscheinung untermauern. Fast apokalyptisch wirkt diese Szene, die die Melancholie durchbricht.

Das „Starren“ der „Ewigkeit“ ist zugleich Metapher und Personifikation. Normalerweise wird die Ewigkeit als eine unendliche Zeitspanne verstanden. Der Autor jedoch bedient sich dieses Begriffes, um die endlose Masse der Menschen zu beschreiben. Indem er Mensch und Zeit in Beziehung setzt, und damit eigentlich die Masse der Menschen beschreibt, verlieren die Menschen in der Menge ihren letzten Rest Individualität. Sie gehen also vollends in dem unendlichen „Leib“ auf. Sie werden endpersonalisiert.

Dem Starren kommt atmosphärisch besondere Bedeutung zu. Es impliziert, dass etwas unbegreifliches, unverständliches passiert, auf das die Menschen mit unbeweglichem Blick reagieren. Emotionslosigkeit und der Verlust der Individualität stehen dem Erwachen des Einzelnen gegenüber

Geschwindigkeit und Dynamik spielen im vorliegenden Gedicht eine große Rolle. Während in der ersten Strophe die Menschen dahintreiben, verfestigt sich beim Leser der Eindruck gleichmäßiger Bewegung in völliger Harmonie und Zeitlosigkeit. In der zweiten Strophe hingegen, hat der Leser den Eindruck, als bleibe die Zeit beim Erscheinung des Gottes stehen. Die Menschenmasse wird abrupt ausgebremst und verharrt bewegungslos während sie auf die Erscheinung sieht. Die Erscheinung wirkt wie ein Lichtblick, der das Leben der Menschen erhellt und den grauen Alltag für einen Augenblick vergessen lässt.

Die Menschen scheinen aus ihren Träumen, aus dem Gleichtakt gerissen. Sie sehen etwas Bedeutsameres als „Sonne“ und „Meer“. Die positiv besetzten Begriffe Sonne, Meer und Ewigkeit bewirken eine positive Grundstimmung in der Schlussphase des Gedichtes . Ein Neuanfang scheint möglich.

(zur Verfügung gestellt von einer Schülerin Klasse 11)