Brecht: Zufluchtsstätte

Wenige Jahre vor dem zweiten Weltkrieg, 1937, verfasst der deutsche Literat Berthold Brecht das Gedicht „Zufluchtsstätte“. Brecht schreibt den lyrischen Text, während seiner Flucht vor dem Naziregime in Deutschland. Er befindet sich zum Schreibzeitpunkt in Dänemark, wo ihm Asyl gewährt wurde. „Zufluchtsstätte“ beschreibt einen idyllischen Ort an der dänischen Küste, in dem der Erzähler Obdach gefunden hat.
Die Schilderung beginnt mit der Beschreibung des Hauses mit Strohdach und dem Ruder, dass auf dem Dach liegt. Im Hinterhof wurden Vorbereitungen für eine Kinderschaukel getroffen, die allerdings noch nicht errichtet wurde. Der Postbote kommt zweimal täglich am Haus vorbei, wirft aber nicht die erwartete Post ein. Kein Brief erreicht die Geflüchteten. Das Haus hat vier Türen, die eine erneute Flucht ermöglichen.
Das aus 2 Strophen zu je 4 Versen bestehende Gedicht folgt dem Reimschema ab ab c dd c. Die Kadenzen folgen dem Reimschema in mw mw mwwm. Es entsteht ein Einklang, der sich dem Leser beim Lesen zeigt. Ein durchgängiges regelmäßiges Metrum ist nicht erkennbar.
Brecht gliedert den Text in 6 Sätze. Bis auf die Verwendung der Satzendzeichen und des Kommas in V. 8 verzichtet Brecht auf Satzzeichen. Zusätzlich zu seiner Versform wird das Gedicht damit aus der Alltagssprache besonders deutlich herausgehoben.
Die Enjambements in Z. 1&2, 3&4 und 5&6 erhalten den Lesefluss und verdichten die Textkohärenz im Gegensatz zum Stakkato-Stil der Verse 7&8. Die Zeilensprünge auf der einen Seite und das fehlende Metrum mit Stakkato am Ende des Textes zeigen das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Gefahr selbst beim Aufenthalt an der Zufluchtsstätte. Das wird durch die inhaltlichen Gegensatz von ländlicher Idylle und unruhiger eigener Fluchtsituation verstärkt.
Der Autor setzt einen allwissenden Erzähler ein, um den Wechsel von äußerer Betrachtung und innerem Zustand des Erzählenden herausstellen zu können. Ein Lyrisches Ich tritt nicht durch die Nennung der ersten Person Singular hervor, ist jedoch durch die sprachliche Subjektivität erkennbar. Innere Gedanken, wie der über die mögliche neue Flucht belegen dies. Aus dem Fehlen des Personalpronomens ergibt sich am Ende eine größere Unmittelbarkeit des Sprechens. Die Distanz zwischen Leser und Sprecher ist sehr gering, der Leser fühlt sich als befinde er sich im Kopf des Sprechers und sehe durch seine Augen auf die Zufluchtsstätte.
Um den Inhalt und die Bedeutung des Gedichtes erkennen zu können, ist die Betrachtung der Zufluchtsstätte als zentralem Punkt des Textes notwendig.
Gemeinhin wird unter einer Zufluchtsstätte ein provisorisches Obdach verstanden, welches anonymen Flüchtenden für eine vorübergehende Zeit, nämlich bis im Heimatland wieder Frieden herrscht, Schutz und Sicherheit gewährt wird. Der Begriff „Zufluchtsstätte“ hat für Brecht zentrale Bedeutung, weil er mit ihm sein Gedicht tituliert. Er wird also zum zentralen Thema. Im Text wird das insofern deutlich, als dass in nahezu jedem Vers inhaltliche und begriffliche Verbindungen zur Zufluchtsstätte bestehen. So steht die Sicherheit (V.2) in Verbindung mit dem „Strohdach“, das vom Wind nicht weggetragen wird, dass Obdach in Verbindung mit dem Haus, indem der Sprecher Zuflucht gefunden hat. Das Provisorium findet Ausdruck im noch nicht fertiggestellten Hof für „die Kinder“. Brecht nutzt zur Darstellung der verschiedenen Aspekte einer Zufluchtsstätte eine Reihe von Stilmitteln. Das Symbol wie das auf dem Dach des Hauses liegende „Ruder“, bewirkt die Annahme, dass die Flüchtenden gerade erst am Haus angekommen sind, alles wirkt unfertig. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Hof, in dem die „Schaukel“ für die Kinder noch nicht aufgebaut ist. entgegen der Erwartung des Lesers beruhigt sich die Situation des Sprechers im Verlauf des Aufenthalts in der Zufluchtsstätte nicht, sondern scheint durchweg pessimistisch. Neue Hoffnung, die durch das Asyl begründet werden könnte, entsteht nicht. Vielmehr scheint der Sprecher über eine weitere Flucht nachzudenken, als er die vier Türen im Haus betrachtet. Es entsteht der Eindruck diese neuerliche Flucht könne jederzeit beginnen. Dem Leser erschließt sich durch die angewandte „pars pro toto“ „Stroh“ für das Dach des Hauses und das „Ruder“ für das Fluchtmittel Boot nur langsam die Situation des Geflüchteten. Das große Ganze wird nicht beschrieben, nur wichtige Teile genannt, aus denen sich der Leser sein eigenes Bild der Situation der Fluchtstätte zusammenfügen muss. Zur Konsequenz hat dies ein Bild der Situation und des Ortes, dass bei jedem Leser unterschiedlich ist und damit Universalität erreicht. Insgesamt erreicht die Fluchtstätte also nicht die gewünschte Auswirkung auf den Flüchtenden.
Die Atmosphäre eines Gedichtes wird normalerweise vom Zusammenspiel verschiedener Aspekte wie Zeit, Stimmung und Farben geprägt. In „Zufluchtsstätte“ spielt die Atmosphäre eine besondere Rolle.Eine Zufluchtsstätte ist ein besonderer Ort und birgt daher ein besonderes Zeitempfinden und hegt eine spezielle Stimmung. Im Text wird das insofern deutlich, als dass die Zeit nicht als Uhrzeit beschrieben wird, sondern der Zeitbegriff in Form des „mittleren Windes“ sowie des Bewegungsverbs „fliehn“ besondere Dynamik erfährt. Die Metapher des „mittleren Windes“ muss besonders unter den historischen Gegebenheiten von 1937 interpretiert werden. In Vorkriegszeiten war Europa durch die nationalsozialistische Hegemonialpolitik geprägt. Spätestens beim Anschluss des Sudetenlandes ohne erkennbaren Widerstand der Alliierten war klar, dass Hitler weiter expandieren wollte. Andersdenkende wie Brecht wurden gnadenlos verfolgt. Politische Unruhen machten sich breit und Flüchtlinge wurden durch Europa „geweht“. Die erste Fluchtwelle deutscher Intellektueller beschränkte sich auf Europa und ging erst später darüber hinaus. Der Sprecher fühlt also die Gegenwärtigkeit von Gefahr.
Genauso wichtig für die Atmosphäre wie die Zeit ist die Darstellung der Umgebung der Flüchtenden. Der Sprecher scheint am Sund zu stehen und sich umzuschauen. Die Umgebung wirkt verlassen und einsam, weil keine Menschen zu sehen sind. Nur in der Ferne verkehren Fähren, deren Passagiere aber nicht erwähnt werden. Diese Situation der Einsamkeit eröffnet dem Leser eine Innenschau des Erzählers. Der Sprecher sieht ein Strohdach (vgl. 1/2). Außerdem sieht er die Pfähle für die Schaukel im Hinterhofe (vgl 3/4).

Anmerkung: Der vollständige Aufsatz kann unter nadine@edu-now.org angefordert werden.

Rose Ausländer: Mutterland

33 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, im Jahre 1978 verfasst die Holocaustüberlebende Rose Ausländer das Gedicht „Mutterland“. Der lyrische Text zählt zur deutschen Exiliteratur und thematisiert den Heimatverlust. Das Lyrische Ich beschreibt darin den Verlust des Vaterlandes und seine neue Lebenssituation im Mutterland.

Aus der Ich- Perspektive spricht das Lyrische Ich zum Leser des Gedichts. Das Vaterland des Lyrischen Ichs wurde von einer nicht genau bezeichneten Personengruppe bewusst vernichtet. Das Lyrische Ich hegt die Erinnerung von Feuer und vollkommenem Zusammenbruchs seiner Heimat. Ohne Zuhause hat es eine neue Heimat gesucht und gefunden, die es nicht mehr Vaterland sondern Mutterland nennt. Vom Vaterland bleibt ihm nur noch die Sprache.

Das Gedicht weist sowohl sprachliche als formale Besonderheiten auf.

Es gliedert sich in zwei Strophen zu je drei Versen. Ein Reimschema ist ebenso wenig erkennbar wie ein durchgängiges rhythmisierendes Metrum. Die Kadenzen folgen dem Schema m,w,w,w,w,m.
Obwohl Rose Ausländer keine Satzzeichen verwendet, ist eine Satzstruktur beim Lesen hörbar. Lesepausen entsprechen Satzgrenzen. Satzgrenzen befinden sich zwischen Vers 1 und 2, Vers 3 und 4, sowie von Vers 5 zu Vers 6. Wobei das Wort „Wort“ als Ellipse den Schluss des Gedichtes bildet. Fehlende Satzzeichen und ausbleibendes Reimschema weisen genauso wie die unregelmäßigen Kadenzen und das fehlende Metrum auf die Grundstimmung des Gedichtes hin. Genauso wie die chaotischen Zustände jener Zeit und vermutlich auch die nicht zu ordnenden psychischen Auswirkungen des überwundenen Holocausts spiegeln sich darin wieder.

Obwohl das „sie“ zu Beginn des zweites Verses hörbar den Anfang des zweiten Satzes bildet, ist es entgegen der Regel klein geschrieben. „Mein Vaterland“, „Ich“, „Mutterland“ und „Wort“ sind groß geschrieben und stehen in Verbindung mit dem lyrischen Ich. Im Gegensatz zu der klein geschriebenen dritten Person Plural „sie“, welche die Feinde symbolisiert. Die deutschen Nationalsozialisten repräsentieren inneren Feinde. Diese verfolgten und ermordeten Juden wie Rose Ausländer. Demgegenüber standen die Alliierten als äußere Feinde, welche versuchten die Deutschen und ihre Gräueltaten zu stoppen. Durch den Krieg wurde das Vaterland zerstört. Die Welt des lyrischen Ichs, wie sie vor dem Krieg Bestand hatte, wurde dabei ausgelöscht. Die Antithese „mein Vaterland ist tot“ und „ich lebe“ klingt fast trotzig und verdeutlicht den Überlebenswillen des lyrischen ich. In dem es den Überlebenswillen nicht verliert und ein neues zu Hause im Mutterland gefunden hat, besiegt es die Feinde des Vaterlandes und auch die eigenen.

Innerhalb der ersten Strophe wechselt der Blick des Lyrischen Ichs von der Gegenwart, die in Form des im ersten Vers verwendeten Präsens erscheint, zurück auf die Ereignisse der Vergangenheit, die im Perfekt beschrieben werden. Der Ist-Zustand des Vaterlandes wird damit untermauert. Der Rückblick wird dynamischer dargestellt. Die Konsequenz des Handelns der mit „sie“ beschriebenen Personengruppe wird mit Hilfe eines steigernden Elementes in Form der Klimax von „tot“, „begraben“ und „im Feuer“ verdeutlicht.

Neben den formalen, bedient sich Rose Ausländer bei der Verdichtung der Worte und deren Bedeutung besonderer sprachlicher Mittel.

Um den Zusammenbruch der Heimat des lyrischen Ichs zu versinnbildlichen, setzt die Autorin verschiedene Personifikationen ein.
Das „Vaterland“ des lyrischen Ichs ist „tot“, „begraben“ wie ein Mensch es nur sein kann. Durch die Übertragung menschlicher Eigenschaften auf ein Gebilde wie das „Vaterland“, ist dessen Untergang für den Leser ausdrucksvoller. Der Eindruck des Heimatverlusts wird durch die von Ausländer beschriebene Gewalt verstärkt. Metaphern wie „im Feuer“ begraben unterstreichen die Rohheit des Ablaufs. Besonderer Fokus liegt auf dem letzten Vers, der aus nur einem Wort besteht. Das Wort „Wort“ ist vielseitig interpretierbar. Es stellt sowohl eine Metapher im weiteren Sinne als auch die Stilfigur des Pars pro toto im engeren Sinne dar. Als Metapher repräsentiert es die Erinnerung des lyrischen Ichs an das verlorene Vaterland. Als Pars pro toto steht das Wort „Wort“ als Teil der Sprache, im allgemeinen für die Sprache und insbesondere die Sprachen des lyrischen Ichs. Das Lyrische Ich verbindet damit die einzigen Erinnerungen an frühere Zeiten- die Erinnerung an die Muttersprache sowie an das Vaterland. Unerwarteterweise erzählt das lyrische ich in der Sprache des Vaterlandes über das neue Mutterland. Die Muttersprache erhält damit besondere Bedeutung.

Neben Personifikationen und Metaphern bedient sich Ausländer der Wortneuschöpfung „Mutterland“. Dieser Neologismus drückt die Beziehung zwischen dem geflüchteten Lyrischen Ich und dem Gastland aus, in dem es nun lebt. Die enge Verbundenheit zwischen der neuen Heimat und dem Lyrischen Ich wird besonders durch den Begriff der „Mutter“ dargestellt. Wie eine Mutter ihrem Kind Sicherheit und Obhut gibt, so kümmert sich das Mutterland um das Lyrische Ich.

Durch die beiden Begriffe Mutter und Vater in den Wörtern Vater und Mutterland werden beide Länder zu den prägenden Orten für das lyrische ich. Es sieht Vater- und Mutterland stellvertretend wie Eltern. Sein Leben wurde durch beide geprägt und hängt untrennbar mit ihnen zusammen.

Die Autorin Rose Ausländer wurde als Jüdin von den Nazis verhaftet und zu Zwangsarbeit verpflichtet. Als eine der wenigen Überlebenden der Judenverfolgung im Dritten Reich wird sie gegen Kriegsende von der Roten Armee befreit und übersiedelt in die USA.

Bis heute beschäftigt uns das Flüchtlingsthema. Nach Deutschland flüchten viele Menschen aus dem nahen Osten. In ihrem Vaterland herrscht Krieg und Deutschland ist für die Flüchtlinge, wie es für Rose Ausländer die USA war, im besten Fall das neue Mutterland.

Gedichtsinterpretation: Gottfried Benn: Kleine Aster

Handout zum Gedicht „Kleine Aster von Gottfried Benn“. Klassenstufe 10-12

Gedichtanalyse: Franz Werfel: Menschenblick

Das Gedicht „Menschenblick“ veröffentlichte Franz Werfel 1927. Der Autor wurde 1890 in Prag geboren und starb 1945 in Beverly Hills. Franz Werfel zählt zu den Hauptvertretern des Expressionismus und hat neben vielen lyrischen Texten auch Prosa verfasst. In allen seinen Texten spiegeln sich die Grundzüge des Expressionismus. Das Gedicht „Menschenblick“  zählt zu den großstadtlyrischen Texten von Franz Werfel. Hauptthema seiner Werke stellen der Verfall und die Hoffnung auf einen Neuanfang dar. Speziell dieses Gedicht hat die Menschen, die von der Arbeit nach Hause gehen zum Thema. Monoton werden sie abends heim getrieben und durch ein überraschendes Ereignis aus ihrer Lethargie gerissen.

Das Gedicht besteht aus zwei Strophen aus jeweils vier Versen. Der Autor gibt dem Gedicht formale Struktur, indem er den Kreuzreim (abab cdcd) benutzt. Auffallend ist nicht nur die Kreuzung der Reime, sondern auch die Kreuzung des Metrums in der ersten als auch in der zweiten Strophe. In der ersten Strophe wechselt er von Anapäst zu Daktylus, in der zweiten Strophe von Jambus zu Daktylus, ganz analog dem Reimschema. Durchgehend werden weibliche Kadenzen verwendet, die die Versenden stumpf wirken lassen.

Der Autor bedient sich Wörtern aus dem Alltagswortschatz, die den Text leicht verständlich wirken lassen. Ausnahmen bilden die Neologismen „Abendheimkehr“ (V.1) sowie „Massengeschickes“ (V.5). Durch die Wortneuschöpfungen (Neologismen) verwendet der Autor ein Mittel, mit dessen Hilfe er die besondere Atmosphäre des Gedichtes genauer schildern kann.

In Vers 2,3 und 6 tritt das lyrische Ich in Erscheinung. Es bildet ein subjektives Erzählmoment, welches durch den Gebrauch der ersten Person Plural „wir“ und der Nutzung des Reflexivpronomen „uns“ besondere Verstärkung in Form der Mehrzahl erfährt. Das lyrische Ich scheint nicht allein zu sein, es ist vielmehr Teil einer Gruppe, zu der es sich zugehörig fühlt. Die Distanz zwischen Leser und lyrischem Ich schwindet durch das „Wir“. In der Wirkung scheint der Leser mit dem lyrischen Ich und den Menschen, die sich treiben lassen, verbunden zu sein.

Innerhalb des Textes ist eine besondere Dynamik festzustellen.
In der ersten Strophe wird das Treiben der Menschenmasse in der Gasse beschrieben. Durch das Treiben wird die Passivität der einzelnen Menschen, also den „Leibern“ (V.4) in der Masse, dem „Leib“ (V.4) verbildlicht.
Der Dynamik der ersten Strophe gegenüber steht die Verhaltensänderung der Menschen in der zweiten Strophe. Die Fortbewegung, also das treiben, wird in der zweiten Strophe „Jäh“ (V.6), also plötzlich durch ein äußeres Geschehen gestoppt. Es erscheint ein „Antlitz“. In verschiedener Hinsicht ist die Bedeutung des Wortes „Antlitz“ V.6 zu deuten. Allgemein wird der Begriff Antlitz in Bezug auf das Gesicht Gottes verwendet. Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen „Antlitz“, „Wolkenriß“ (V.7) und „träumenden Blickes“ (V.7). Durch die Zusammenführung der Begriffe, die zu einem Wortfeld gehören, lässt sich die These einer Gotteserscheinung untermauern. Fast apokalyptisch wirkt diese Szene, die die Melancholie durchbricht.

Das „Starren“ der „Ewigkeit“ ist zugleich Metapher und Personifikation. Normalerweise wird die Ewigkeit als eine unendliche Zeitspanne verstanden. Der Autor jedoch bedient sich dieses Begriffes, um die endlose Masse der Menschen zu beschreiben. Indem er Mensch und Zeit in Beziehung setzt, und damit eigentlich die Masse der Menschen beschreibt, verlieren die Menschen in der Menge ihren letzten Rest Individualität. Sie gehen also vollends in dem unendlichen „Leib“ auf. Sie werden endpersonalisiert.

Dem Starren kommt atmosphärisch besondere Bedeutung zu. Es impliziert, dass etwas unbegreifliches, unverständliches passiert, auf das die Menschen mit unbeweglichem Blick reagieren. Emotionslosigkeit und der Verlust der Individualität stehen dem Erwachen des Einzelnen gegenüber

Geschwindigkeit und Dynamik spielen im vorliegenden Gedicht eine große Rolle. Während in der ersten Strophe die Menschen dahintreiben, verfestigt sich beim Leser der Eindruck gleichmäßiger Bewegung in völliger Harmonie und Zeitlosigkeit. In der zweiten Strophe hingegen, hat der Leser den Eindruck, als bleibe die Zeit beim Erscheinung des Gottes stehen. Die Menschenmasse wird abrupt ausgebremst und verharrt bewegungslos während sie auf die Erscheinung sieht. Die Erscheinung wirkt wie ein Lichtblick, der das Leben der Menschen erhellt und den grauen Alltag für einen Augenblick vergessen lässt.

Die Menschen scheinen aus ihren Träumen, aus dem Gleichtakt gerissen. Sie sehen etwas Bedeutsameres als „Sonne“ und „Meer“. Die positiv besetzten Begriffe Sonne, Meer und Ewigkeit bewirken eine positive Grundstimmung in der Schlussphase des Gedichtes . Ein Neuanfang scheint möglich.

(zur Verfügung gestellt von einer Schülerin Klasse 11)