Kurzgeschichte Spaghetti für zwei

Interpretation der Kurzgeschichte „Spaghetti für zwei“. Klassenstufe 8-10. Zeilenangaben wurden bewusst weggelassen, da diese je nach Textausgabe unterschiedlich sein können.

Die Kurzgeschichte „Spaghetti für zwei“ wurde 1975 von der schweizer Schriftstellerin Frederica de Cesco veröffentlicht. Sie thematisiert darin, wie Vorurteile einen Jugendlichen bestimmen und ihn in die Irre leiten können.

Heinz ist fast 14 jahre alt und „fühlt sich sehr cool.” Er stellt sich für den Leser schon am Anfang der Geschichte sehr überlegen und kaltschnäuzig dar. Sein Verhalten in der Schule verstärkt diesen Eindruck. Weil ihm nicht genug Zeit bleibt, in der Mittagspause nach Hause zu fahren, isst er im Selbstbedienungsrestaurant. Dort wählt er die Gemüsesuppe aus, setzt sich an einen Tisch, merkt, dass er den Löffel vergessen hat, steht auf, um sich einen zu holen. Als er sich wieder zu seinem Tisch begeben will, sieht er, wie ein “Schwarzer” vermeintlich seine Gemüsesuppe isst. An dieser Stelle wird klar, von welchen Vorurteilen Heinz geprägt ist. Im inneren Monolog lässt er ihnen freien Lauf. Er wünscht den “Schwarzen” zum “Teufel”, unterstellt ihm ein “Asylbewerber” zu sein und sich in der “Schweiz breitmachen” zu wollen. Erst die Blicke der anderen Gäste des Restaurants halten ihn davon ab, seine Meinung laut dem “Schwarzen” zu sagen. Er schämt sich sogar für seinen gerade noch abgewendeten Ausbruch und wird “rot”. Die Coolness in Bezug auf sein Auftreten nach außen hin weicht den Bedenken andere könnten ihn als Rassist ansehen. Entgegen seinem normalen Verhalten in der Schule insbesondere gegenüber den Lehrern, hält er sich vor den anderen Gästen zurück.
Überraschenderweise setzt er sich nun dem Schwarzen wortlos gegenüber. Er nimmt seinen Löffel und taucht ihn, völlig überzeugt es sei seine eigene Suppe, in die Suppe des “Afrikaners”. Beide starren sich an. Für einen kurzen Moment scheint es dem Leser als scheine die Zeit stillzustehen, die Spannung dieses Momentes ist fast greifbar.
Aber nicht nur Heinz, auch der “Schwarze” bleibt stumm. Sie essen zusammen die Suppe “ohne daß ein Wort” fällt.
Die Spannung bleibt weiter bestehen als der schwarze Junge, nachdem die Suppe aufgegessen ist, aufsteht und Heinz sich darüber entrüstet, dass der Afrikaner ihm nicht einmal für die Suppe dankt. Heinz möchte „aufspringen und Krach schlagen“. Entgegen seiner Erwartung geht der Schwarze zur Theke, bezahlt die Suppe und bringt noch einen Teller Spaghetti zum Tisch zurück. Bereits in den Spaghetti stecken „zwei Gabeln“. Heinz wird so nervös, dass ihm „der Schweiß“ ausbricht. Er beschließt nachdem der andere schon die Hälfte seiner Suppe gegessen hat, nun auch die Hälfte von dessen Spaghetti zu nehmen. Wiederum durch das Mittel des inneren Monologs kann der Leser den Gemütszustand von Heinz genau nachvollziehen und erkennt durch die vielen Fragen, die sich Heinz jetzt stellt dessen Selbstzweifel und Unsicherheit, wie er sich nun verhalten soll. Die Coolness auf Heinz’ Seite verfliegt, seine „Gedanken“ überstürzen sich. Er wünscht sich sogar, dass der Junge etwas zu der Situation sagt, hat aber selbst nicht den Mut den Schwarzen anzusprechen. Durch das Kratzen am Hals und das Jucken des Rollkragenpullis wird die Spannung unter der Heinz steht sichtbar. Plötzlich sieht er auf dem „Nebentisch“ , „einsam“ auf dem Tablett einen Teller „kalter Gemüsesuppe“ stehen.
Er begreift, dass nicht der Junge die Seine, sondern er die Suppe des Jungen gegessen hat. Er erlebt „den peinlichsten Augenblick seines Lebens.“ Der Blickkontakt zu dem Schwarzen reißt für „zehn volle Sekunden“ ab. Plötzlich sind die Rollen vertauscht. Der Schwarze ist „cooler“ als Heinz es jemals war. Heinz entschuldigt sich stotternd bei dem Afrikaner. Der lacht und nimmt damit der Situation und auch Heinz die Peinlichkeit. Eine freundliche Atmosphäre entsteht an der Stelle, an der vorher Vorurteile und Misstrauen regiert haben. Sie verabreden sich für den nächsten Tag um zusammen zu essen.

Durch die verwendeten Monologe wirkt die Kurzgeschichte sehr real. Der Leser kann durch die Verwendung des personalen Erzählers Einblicke in die Gedanken der von Heinz erlangen, die ihm ansonsten verschlossen blieben. Gerade aus der Sicht des Heinz, also des Rassisten, wird erzählt.

Die Autorin dehnt durch die Monologe die Zeit und lässt den Leser noch dichter an das Geschehen kommen.
Ferner hält die Autorin die klassische Form der Kurzgeschichte ein, indem sie die Spannung bis zum Höhepunkt in Z. steigert und einen überraschenden Schluss setzt.

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